Medikamentenknappheit in Österreich: Ärzte schlagen Alarm Die Österreichische Ärztekammer warnt eindringlich vor einer sich verschärfenden Versorgung
Medikamentenknappheit in Österreich: Ärzte schlagen Alarm
Die Österreichische Ärztekammer warnt eindringlich vor einer sich verschärfenden Versorgungskrise bei Medikamenten. Schmerzmittel, Antibiotika und kindgerechte Hustensäfte sind zunehmend knapp – ein Zustand, den man in einem wohlhabenden Land nicht akzeptieren dürfe, so Kammerpräsident Johannes Steinhart .
Preisband macht Markt unattraktiv
Ein zentrales Problem: Österreichs sogenanntes Preisbandsystem drückt Medikamentenpreise nach unten und macht den Markt für Pharmahersteller unattraktiv. Medikamente würden zunehmend lieber in Länder mit höheren Preisen geliefert, beklagen Mediziner . Gleichzeitig werden jede Menge Generika aus dem Erstattungskodex gestrichen, weil deren Produktion nicht mehr rentabel ist .
Importabhängigkeit steigt gefährlich
Gab es einst viele Wirkstoffproduzenten in Europa, läuft heute fast 70 % der Arzneimittelproduktion in Asien. Mit der Schließung europäischer Werke – etwa von Metamizol – wächst die Abhängigkeit von China und Indien Hygienerichtlinien der EU gefährden zudem Medikamente wie Metformin .
Ärzte fordern: Zurück zur lokalen Fertigung
Die Ärztekammer fordert dringend eine stärkere Produktion in Europa und Österreich, um Lieferkette stabiler zu gestalten. Ein weiteres Problem sei der Parallelhandel: Medikamente würden billig gekauft, günstig weiterverkauft und die Versorgung kleinerer Länder gefährdet .
Schadenspotenzial durch Wirkstoffverschreibung
Ein zusätzlicher Kritikpunkt ist die geplante Wirkstoffverschreibung: Ärzte befürchten, dass Patienten künftig nicht mehr genau jenes Präparat, sondern irgendein günstiges Generikum erhalten – was bei bestimmten Medikamenten riskant sein kann . Zudem kommt es immer wieder zu Verwechslungen bei wechselnden Verpackungen – eine potenziell gefährliche Situation für Patienten .
Erste Maßnahmen gegen Engpässe
Einige kurzfristige Schritte wurden bereits gesetzt: Lager für wichtige Wirkstoffe wurden eingerichtet, Apotheken können Notfallzutaten selbst mischen und verpflichten sich zur Bevorratung zentraler Medikamente . Diese Maßnahmen gelten jedoch als Übergangslösung, solange strukturelle Defizite bestehen.
Fazit
Österreich steht mitten in einer Arzneimittelkrise – verursacht durch Niedrigpreisstrategie, verlegte Produktion und Parallelhandel. Die Ärztekammer fordert klare politische Maßnahmen: faire Arzneimittelpreise, keine Exportabgaben und finanzielle Anreize für Europa-Produktion. Doch nachhaltige Lösungen müssen über Sofortmaßnahmen hinausgehen. Bis dahin bleibt die Versorgung mit lebenswichtigen Medikamenten gefährdet.

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