Aufgebrachte Stimmung in der Gastronomie: „Trinkgeld-Abgabe ist eine riesige Sauerei!“ Die Debatte um mögliche Abgaben auf Trinkgeld erhitzt derzeit
Aufgebrachte Stimmung in der Gastronomie: „Trinkgeld-Abgabe ist eine riesige Sauerei!“
Die Debatte um mögliche Abgaben auf Trinkgeld erhitzt derzeit die Gemüter in der heimischen Gastronomie. Nach dem Vorschlag, Trinkgelder künftig steuer- oder abgabenpflichtig zu machen, herrscht zwischen Wirten, Servicemitarbeitern und Gästen große Empörung.
Stimmungslage: bewölkt – wie das Wetter
An einem verregneten Tag in Wien wirken viele Gastronomen bedrückt – sie hoffen, die Debatte möge schnell vorüberziehen. Doch die Angst sitzt tief. ÖVP, NEOS und Grüne positionieren sich gegen eine solche Besteuerung, während die SPÖ offen dafür ist.
„Sinnlos“, „Sauerei“, „Lasst uns in Ruhe“
Wiener Gastronom Herbert Hausmair findet klare Worte: Seiner Meinung nach sei die Diskussion ohne Substanz – man kämpfe ohnehin schon mit Personalmangel, und eine Abgabe auf Trinkgeld sei eine Zumutung.
Michael Bollauf vom traditionsreichen Schwarzen Kameel ergänzt: „Wir leben vom Trinkgeld, nicht vom Grundgehalt.“ Für viele in der Branche sei das Trinkgeld der entscheidende Teil des Einkommens.
Gäste sehen Fairness gefährdet
Auch Gäste äußern sich deutlich: Zheng (27) und ihre Schwester Jimg (30) betonen, sie geben Trinkgeld, wenn sie gut bedient werden – acht bis zehn Prozent seien üblich. Eine pauschale Abgabe halten sie jedoch für „unfair“ – hier solle das Trinkgeld besser befreit bleiben.
Stammgast Manfred Willfahrt, 77, zeigt sich ungehalten: Trinkgeld gehe hauptsächlich an Servicekräfte, nicht an Unternehmen – „Lasst sie in Ruhe!“
Gastronomen wehren sich quer über Branchen
Klassische Wirte wie Kamilla und Thomas aus Brigittenau verstehen nicht, warum ausgerechnet Gastronomen ins Visier geraten – Friseure, Taxler oder Masseure würden ebenso Trinkgelder erhalten. In Weyregg am Attersee betonen Christian und Matthias Reininger, dass Trinkgeld freiwillig sei und eine Belohnung für Freundlichkeit – und nicht vom Staat belastet werden dürfe.
Sie warnen: Wenn Trinkgeld durch staatliche Abgaben eingeschränkt wird, könnte das die ohnehin schon angespannte Personaldecke weiter verschlechtern – und damit das Gastgewerbe insgesamt schwächen.
Branchenvertretungen fordern Einheitlichkeit
Wirtschaftskammer und Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband verlangen klare und bundesweit einheitliche Regeln. Sie schlagen vor, das Modell aus Wien – mit Monats-Pauschalen und definierter Obergrenze – österreichweit einzuführen; besser noch: Trinkgeld vollständig von Abgaben zu befreien. Ihre Argumente: Rechtssicherheit, weniger Bürokratie und eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.
Landeshauptleute aus mehreren Bundesländern unterstützen diese Forderung – ÖVP und SPÖ betonen, dass Trinkgeld ein Ausdruck von Anerkennung und kein reguläres Einkommen ist.
Fazit
Die Debatte um Trinkgeldabgaben bringt die Gastronomie ins Beben. Viele sehen ihr Einkommen und ihre Motivation bedroht. Gäste warnen vor einem Verlust an Fairness, und Branchenvertreter drängen auf neue Regelungen – idealerweise eine vollständige Abgabenfreiheit oder zumindest eine klare bundesweite Pauschallösung. Eine Mehrheit der Bevölkerung signalisiert: Trinkgeld ist keiner staatlichen Hülle wert – es gehört direkt an das Servicepersonal.
Die Frage bleibt: Wird der Staat diese Signale ernstnehmen, oder belastet er weiter das Trinkgeld – und damit das fragile Fundament, auf dem die heimische Gastfreundschaft ruht?

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