Cybermafia in Südostasien: Amnesty wirft Kambodscha Ignoranz bei moderner Sklaverei vor

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Cybermafia in Südostasien: Amnesty wirft Kambodscha Ignoranz bei moderner Sklaverei vor

Ein neuer Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International bringt schwere Vorwürfe gegen die Regierung von Kambodscha ans Licht. Demnach s

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Ein neuer Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International bringt schwere Vorwürfe gegen die Regierung von Kambodscha ans Licht. Demnach soll das südostasiatische Land zu einem Zentrum moderner Sklaverei durch Cybercrime-Banden geworden sein – mit Duldung oder sogar stillschweigender Unterstützung der Behörden.

Laut Amnesty existieren mindestens 53 sogenannte gefängnisähnliche Siedlungen sowie zahlreiche verdächtige Standorte im ganzen Land, darunter auch in der Hauptstadt Phnom Penh. In diesen Einrichtungen, die von hohen Zäunen, Stacheldraht und bewaffneten Wachen gesichert sind, würden Menschen systematisch festgehalten, misshandelt und zur Online-Kriminalität gezwungen.

Menschenhandel für Internetbetrug

Die Betroffenen, so Amnesty, werden häufig unter falschen Versprechungen aus verschiedenen Ländern – darunter China, Thailand und Vietnam – verschleppt. In den Lagern werden sie dann dazu gezwungen, an Internetbetrügereien teilzunehmen. Sie sollen beispielsweise Liebesbeziehungen vortäuschen, das Vertrauen ihrer Opfer gewinnen und sie anschließend finanziell ausnehmen. Dabei kommen unter anderem Deepfake-Technologien zum Einsatz, mit denen falsche Identitäten erzeugt werden.

Strafen für Ungehorsam sind grausam: Elektroschocks, Schläge oder das Einsperren in dunklen Räumen sind laut Zeugenaussagen gängige Praxis. Einige Opfer berichten sogar von Todesfällen in den Lagern.

Auch Kinder unter den Opfern

Besonders schockierend: Unter den 58 von Amnesty befragten Opfern befinden sich neun Kinder. Ein 16-jähriger Junge aus China war unter ihnen, ebenso ein Kind, das in einem der Lager verstarb. Ein 18-jähriger Thailänder berichtete, wie er 2023 verschleppt und später weiterverkauft wurde, als er zu fliehen versuchte.

Regierung weist Verantwortung zurück

Die kambodschanische Regierung weist die Vorwürfe zurück. Regierungssprecher Pen Bona bezeichnete den Bericht als „übertrieben“ und betonte, dass es seit Januar eine staatliche Task Force zur Bekämpfung solcher Verbrechen gebe. Kambodscha sei selbst Opfer internationaler Betrugsnetzwerke und bemühe sich um internationale Zusammenarbeit statt Schuldzuweisungen.

Amnesty hingegen kritisiert das Verhalten der Behörden scharf. Zwar habe es punktuell Razzien gegeben, doch mehr als zwei Drittel der identifizierten Lager wurden nie durchsucht oder blieben nach Einsätzen weiter in Betrieb. Nur zwei Standorte sollen tatsächlich geschlossen worden sein.

Zentrum der globalen Betrugsindustrie

Kambodscha entwickelte sich während der Corona-Pandemie zu einem Brennpunkt der globalen Cyberkriminalität. Kriminelle Gruppen, vor allem mit chinesischem Hintergrund, nutzten leerstehende Casinos und Hotels als Betrugszentralen. Laut Schätzungen der Vereinten Nationen wurden in solchen Anlagen bis zu 100.000 Menschen festgehalten. Ähnliche Strukturen bestehen mittlerweile auch in Myanmar und Laos.

Fazit

Der Bericht wirft ein alarmierendes Licht auf ein weitgehend unsichtbares, aber äußerst lukratives Verbrechen: die digitale Versklavung von Menschen im Dienst internationaler Betrugsnetzwerke. Amnesty fordert von der kambodschanischen Regierung klare Maßnahmen, internationale Kontrolle und vor allem Hilfe für die Opfer – bevor sich das Problem weiter ausbreitet.

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