Insolvenzen in Kärnten: Mehr Firmenpleiten, private Konkursrückgänge Die anhaltende Wirtschaftskrise in Österreich wirkt sich deutlich in Kärnten aus
Insolvenzen in Kärnten: Mehr Firmenpleiten, private Konkursrückgänge
Die anhaltende Wirtschaftskrise in Österreich wirkt sich deutlich in Kärnten aus: Im ersten Halbjahr 2025 wurden neue Höchststände bei Insolvenzen gemeldet – vor allem bei Unternehmen, während Privatinsolvenzen zurückgehen.
Firmen zahlungsunfähig: Rekordniveau erreicht
Kärnten verzeichnete in den ersten sechs Monaten 188 Unternehmensinsolvenzen – ein kräftiger Anstieg von 5,6 % im Vergleich zum Vorjahr. Besonders stark betroffen sind die Branchen Bau, Handel sowie Beherbergung und Gastronomie. Obwohl die Zahl der Insolvenzanträge steigt, sind die vorläufigen Schulden (Passiva) im Vergleich gesunken, da keine sehr großen Pleiten wie zuvor aufgetreten sind.
Großpleiten treiben Gesamtverschuldung stark in die Höhe
Für das Gesamtjahr 2024 verzeichnete Kärnten insgesamt 363 betroffene Unternehmen – 23 % mehr als im Durchschnittsjahr 2019. Die Summe der Verbindlichkeiten stieg auf rund 357 Millionen Euro an. Dabei wirken Großinsolvenzen der ASAP-Gruppe mit knapp 180 Millionen Euro sowie weiterer Firmen wie der Almdorf Seinerzeit und EnerCharge besonders schwer.
Handel und Tourismus besonders gefährdet
Rund die Hälfte der Insolvenzen entfällt auf Handel, Gastronomie und Bau. Insbesondere der Handel verzeichnete ein Plus von 46 %, die Gastronomie und der Tourismus einen Anstieg von 111 % .
Privatinsolvenzen: Weniger Anträge, aber höhere Schulden
Während Firmen insolvenzbedroht sind, zeigt sich bei Privatpersonen ein gegenteiliger Trend: Die Anzahl der Schuldenregulierungsverfahren ist gesunken (minus 7,4 %), obwohl das Gesamtvolumen der Privatverschuldungen leicht gestiegen ist Experten warnen allerdings, dass viele Private inzwischen gar nicht mehr die finanziellen Mittel für ein Verfahren aufbringen können – und sich die Schuldenlast daher weiter aufbauen könnte.
Aktuelle Trends & Ausblick
Das erste Quartal 2025 brachte einen Rückgang der Verfahren (89 eröffnet, minus 16 %), doch laut Kreditschützern nur eine trügerische Ruhe – das erwartete Rekordjahr für Insolvenzen sei noch nicht vorbei.
Der KSV1870 prognostiziert trotz der leichten Entspannung weitere Insolvenzzuwächse für 2025 – es fehlen klare Anzeichen für eine Stabilisierung. Nur 14 % der Kärntner Unternehmen erwarten eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage bis Jahresende.
Fazit
Kärnten erlebt eine spürbare Zweiteilung: Unternehmen kämpfen mit steigenden Pleiten, vor allem in kritischen Branchen wie Handel, Tourismus und Bau. Zwar gibt es weniger Privatinsolvenzen, doch finanzielle Engpässe rücken näher an viele Haushalte. Ein Ende der Pleitewelle ist nicht in Sicht – wohl erst, wenn Maßnahmen gegen hohe Kosten und Zinsen greifen sowie die Nachfrage wieder stabiler wird.

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